Tunis


Tunis

Tunis, Tunesien, arab. Ifrikija, seit 1881 franz. Schutzstaat in Nordafrika [Karten: Afrika I, I, 4 u. II], am Mittelländ. Meer, 167.400 qkm (47 Proz. fruchtbares Land), 1,82 Mill. E. (1,7 Mill. Eingeborene, meist arabisch; sonst stark gemischt, wovon 60.000 Juden, ferner [1901] 24.204 Franzosen, [1902] 75.978 Italiener u.a.), 651 km lange, im O. flache, im N. gebirgige, buchtenreiche (Golf von T., von Hammamet und von Gabes, Kap Blanco, nördlichster Punkt Afrikas) Küste, im N. meist Plateauland mit Atlasausläufern (bis 1600 m), im S. Steppe mit dem Schott el-Dscherid; unbedeutende, nicht schiffbare Flüsse, von denen der Medscherda der längste; bei günstigem Klima (von +11° bis +36° C.) und fruchtbarem Boden reichliche Vegetation, bes. Datteln und Korkeichen, Weizen, Gerste, Wein- und Obstkultur; Handel s. Beilage: Afrika; Eisenbahnen s. Beilage: Eisenbahnen; Telegraphenlinien (1904) 3449 km. Budget (1904, Ausgaben) 67,3 Mill. Frs.; Schiffsverkehr s. Beilage: Frankreich. Die Armee besteht aus der dem Bei bewilligten tunes. Ehrengarde und der franz. Besatzungsdivision (1906: 20.320 Mann). Die Regentschaft führt ein Bei (seit 1882 Sidi Ali) unter Aufsicht eines franz. Ministerresidenten. Flagge Blau-Rot-Grün-Rot-Blau [Tafel: Flaggen]. – Die Hauptstadt T., 45 km vom Meere entfernt, im Hintergrunde des Golfs von T. [Karte: Afrika I, 4], 170.000 E. (50.000 Europäer), befestigter Sitz der Regierung, polytechnische Schule, zahlreiche Moscheen; Industrie in Seiden- und Wollwaren, Stickereien, Juwelierarbeiten; neuer Hafen (T.-Goletta, seit 1893). T. ist das Tunes der Alten; in der Nähe Ruinen des alten Karthago.

Die ältere Geschichte von T. fällt mit der Karthagos zusammen. 429-533 n. Chr. beherrschten es die Vandalen, um 670 wurde es von den Arabern erobert, 1575 der Türkei unterworfen und seitdem von Beis regiert. Durch Ferman vom 25. Okt. 1871 wurde die Autonomie von T. und die Erblichkeit der Beiwürde genehmigt. Unter Mohammed es-Sadok (1859-82) wurde es durch Vertrag vom 12. Mai 1881 unter franz. Schutz gestellt. Doch folgte 1882 ein heftiger Aufstand, seit 1897 ganz in Händen der Franzosen. Auf den Bei Sidi Ali (seit 1882) folgte 11. Juni 1902 dessen Sohn Sidi Mohammed, diesem Mai 1906 dessen Vetter El-Nazar. – Vgl. von Hesse-Wartegg (1882), Fitzner (1895), »La Tunisie« (2. Aufl., 2 Bde., 1900), Schanz (1905), Friedberger (1906); Geschichte von Clarin de la Rive (franz., 2. Aufl. 1895).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

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